Geschichte von Obertauern – Teil I
Dachten Sie, dass die Geschichte Obertauerns mit dem Aufblühen des Skitourismus nach dem zweiten Weltkrieg begann? Dann irren Sie sich: Tatsächlich blickt der kleine Ort in den Radstädter Tauern auf eine viel längere Geschichte zurück, als viele andere Gemeinden in Österreich.
Keltische Siedler sind die ersten, die sich an der heutigen Grenze zwischen Pongau und Lungau niederlassen. Die ältesten Funde aus dieser Zeit reichen 2,400 Jahre zurück. Die Kelten bleiben auch nach der Ankunft der Römer in diesem Gebiet. Über die Jahrhunderte vermischen sich die beiden Volksgruppen aber zunehmend und ab etwa 100 v. Chr. ist von der ursprünglichen keltischen Kultur wenig übrig. Dafür stärken die Römer die gesamte Region als Handelsroute: Eine Staatsstraße führt unweit von Obertauern über die Alpen und verbindet Italien mit Iuvavum, dem heutigen Salzburg. Die Straße wurde vermutlich unter Kaiser Claudius (41 bis 54 n. Chr.) gebaut und erlaubt den Verkehr mit Fuhrwerken.
Mit dem Zusammenbruch des Römischen Imperiums um etwa 500 n. Chr. und der Zuwanderung bajuwarischer Stämme verliert die Region ihre Bedeutung und fällt in einen Dornröschenschlaf. Während des frühen Mittelalters herrschen die bairischen Grafen über die Tauern, erst im 13. Jahrhundert erlangt das Erzbistum Salzburg seine Unabhängigkeit. In diese Zeit, genau ins Jahre 1207, fällt auch die erste urkundliche Erwähnung der Radstädter Tauern. Aus dem Jahr 1244 ist ein Dokument erhalten, das ein Kirchlein an der Tauernscharte beschreibt. Und im Jahr 1517 berichtet man von „zween Wirten am Tauern“ – der erste schriftliche Beleg für Obertauerns Geschick im Tourismus. Gemeint waren mit den Wirten die Häuser Schaidberg und Wisenegg, die noch heute als Gastwirtschaften bestehen. Zwei Jahre später wird die alte Römerstraße über die Tauern ausgebaut und erlaubt ab 1519 wieder den Verkehr von Wagen und Fuhrwerken.
Die barocke Blütezeit Salzburgs geht auch an Obertauern nicht spurlos vorbei: Im Jahre 1764 eröffnet Fürst Erzbischof Sigismund von Schrattenbach die Poststation Untertauern. Postfahrten erfolgen erst zweimal wöchentlich, ab 1870 viermal wöchentlich und ab 1895 gar zweimal täglich. Ein besonders wichtiger Sprung in die Moderne erfolgt 1902: Aus diesem Jahr sind die ersten Skifahrer auf dem Tauern verbürgt.
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